Employer Standing: Haltungsfragen im Diskurs mit Katrin Halfmann

Haltung ist so eine Sache. Genau genommen jedermanns Sache. Denn wir alle äußern sie, mal bewusst, mal unbewusst. Wir alle haben Haltung. Dass das nicht immer das ist, was wir Menschen uns erhoffen oder vorstellen, wenn wir untereinander von Haltung sprechen, jemandem Haltung zu- oder absprechen, das ist mir im Gespräch mit Katrin Halfmann sehr bewusst geworden.

Die Erwachsenenpädagogin hat Kommunikationspsychologie studiert, arbeitet mit Friedemann Schulz von Thun zusammen und war damit prädestiniert, mir den Weg zu einer kommunikationspsychologischen Betrachtung des Phänomens Haltung zu weisen. Danke an Friedemann Schulz von Thun selbst, der den Kontakt hergestellt und mir damit ein feines Geschenk bereitet hat.

Dass Katrin Halfmann Anfang kommenden Jahres ein Buch zum Thema veröffentlichen wird, ist das Sahnehäubchen auf dem dänischen Plunder, den sie mir in ihrer Küche angeboten hat. Und der im Übrigen sehr lecker war. Wir nahmen also in der gemütlichen Küche am Stadtrand von Lübeck Platz und tauchten in jede Menge Haltungsfragen ein. So viel kann ich getrost vorwegnehmen: Haltung ist eindeutig. Eindeutig mehrdeutig.

Doch von Anfang an:

Liebe Katrin Halfmann, kann man Haltung überhaupt definieren?

Es gibt Annäherungen. Haltung ist so ein Begriff, der uns schnell durch die Finger flutscht, wenn wir versuchen, ihn zu fassen. Generell geht es um Einstellungen, um Überzeugungen, aber es ist noch mehr als das: Wir leben mit Haut und Haar unsere Haltung. Sie ist Teil unserer Identität. Was ich wichtig finde: Haltung bezieht sich immer auf etwas oder auf jemanden – auf einen Sachverhalt, eine Fragestellung oder einen Menschen. Wir können nicht einfach sagen, ein Mensch habe Haltung oder er habe keine Haltung. Die Frage ist, zu was genau hat er welche Haltung?

Auf der Webseite des Instituts von Friedemann Schulz von Thun wird die Haltung in den Kontext der Professionalität gesetzt. Inwiefern kann man Haltung professionalisieren und wie authentisch ist Haltung dann?

Die Frage habe ich mir auch gestellt. Wenn Haltung etwas ist, was ich als Persönlichkeit lebe, muss ich mich in Richtung Professionalität entwickeln. Das heißt ich kann nicht so bleiben, wie ich bin, und mir Haltung einfach wie einen neuen Kittel überziehen, um professionell zu wirken. Sondern ich muss in diesen Kittel hineinwachsen, muss diese Haltung auch tatsächlich verkörpern, um professionell zu sein.

Ich kann mir Haltung nicht einfach wie einen neuen Kittel überziehen, um professionell zu wirken. Sondern ich muss in diesen Kittel hineinwachsen, muss diese Haltung auch tatsächlich verkörpern, um professionell zu sein.

Katrin Halfmann im November 2022

Meine Zielgruppe sind ja Pädagogen_innen, also Menschen, die mit Menschen arbeiten. In diesem Arbeitsumfeld bezieht sich Professionalität immer darauf, welche Haltung ich zu Menschen habe. Insbesondere zu solchen, die möglicherweise in Abhängigkeit zu mir stehen. Welche Haltung habe ich beispielsweise zu Kindergartenkindern? Sehe ich sie als kompetente kleine Persönlichkeiten, die sich eigenständig entwickeln und ich kann Sie dabei unterstützen, oder sehe ich sie als kleine unfertige Wesen, die noch zum Menschen gemacht werden müssen? Das sind verschiedene Haltungen, die ich dann mit Haut und Haar verkörpere und die in den vielen kleinen und großen Handlungsentscheidungen des Alltags zum Ausdruck kommen.

Zur Frage, wie eindeutig Haltung ist, kommt mir sofort das Innere Team in den Sinn. Haltung ist mehrdimensional. Wir haben möglicherweise viele Stimmen in uns, die sich unterschiedlich äußern zu einer Person oder einem Sachverhalt.

Das Innere Team. Ein faszinierendes Modell, mithilfe dessen Friedemann Schulz von Thun die Eigenheiten der zwischenmenschlichen Kommunikation sehr anschaulich entwirrt hat. In seiner Buchreihe Miteinander reden geht er in Band 3 sehr ausführlich auf seine Theorie ein, in der unsere Persönlichkeitsmerkmale unterschiedlichen Akteuren gleich situationsbedingt mehr oder weniger aktiv werden. So kann auf der Bühne der Kommunikation ein Experte eine beeindruckende Vorstellung geben, während leisere Stimmen im Hintergrund bleiben und ungeliebte Teilpersönlichkeiten weggesperrt werden. Fakt bleibt: Wir beherbergen eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure in uns und fühlen uns dann ausgeglichen, wenn wir unserer Selbst bewusst sind, also diese Akteure annehmen und in unser Verhalten einbeziehen. Schulz von Thun würde sagen: Dann ist unsere Kommunikation stimmig.

Mit Blick auf diese innere Diversität, wo versteckt sich Haltung da eigentlich? Ist sie auf der Bühne, hinter der Bühne, im verschlossenen Kämmerlein?

Alle zusammen ergeben Haltung. Bezogen auf Professionalität haben wir in der Regel eine innere Profimannschaft. Idealerweise ist die auch verbunden mit der Hintermannschaft. Denn wenn im Hintergrund oder Untergrund innere Gestalten aktiv sind, die mit meinem Verhalten nicht klarkommen, dann entsteht ein inneres Rumoren, das wir von außen als nicht authentisch wahrnehmen. Dann versuche ich, bestimmte innere Anteile auf die Bühne zu lassen und zu stärken und die anderen dürfen nicht mitmachen. Das wäre eine innerliche Verbannung. Authentisch und professionell bin ich dann, wenn ich als Oberhaupt meines inneren Teams auch meine nicht professionellen Anteile mit ihren innewohnenden Stärken gut kenne und ihnen Raum gebe. An passender Stelle und zu entsprechender Zeit. Wenn meine Haltung durch ein integratives Oberhaupt entschieden wird, das meine einzelnen Teammitglieder im Blick hat und schaut, womit jeder einigermaßen leben kann und sich zumindest langfristig gesehen fühlt, dann entsteht eine schlagkräftige Haltung, die ich auch mit Inbrunst durchsetzen kann.

Spontan fallen mir in diesem Zusammenhang Menschen ein, denen man Haltung nachsagen würde, die damit aber keine besonders gute Figur in der Geschichte abgeben. Der Storytellingexperte und Drehbuchautor Markus Gull machte mich in unserem Gespräch darauf aufmerksam, dass Haltung zunächst einmal wertfrei ist. Auch Adolf Hitler habe eine Haltung gehabt. Wenn ich mir solche Persönlichkeiten anschaue, wie sehr waren die innerlich in der Balance?

Sie hatten wahrscheinlich einen genauso autoritären Umgang mit sich selbst wie mit anderen. Natürlich kenne ich deren Inneres nicht, aber meine Vermutung ist, dass sie weiche, verletzliche oder auch sehr empathische Anteile derart verdrängt haben, dass sie sie gar nicht mehr erleben konnten. Das wäre nach Schulz von Thun die Verbannung dritter Ordnung. Diese Anteile sind noch da, können sich aber nicht mehr äußern, werden nicht mehr gehört. Und deswegen kann die Haltung sehr klar sein, weil ja innerlich niemand mehr widerspricht.

Das heißt, dass die Eindeutigkeit einer Haltung sehr unterschiedlich interpretiert werden kann. In der Außenwahrnehmung war Hitlers Haltung extrem eindeutig, in der Innenwahrnehmung vielleicht überhaupt nicht?

Vielleicht auch, weil er inneren Zwiespalt nicht zugelassen und innere Teammitglieder nicht wahrgenommen hat? Es ist hypothetisch, aber bleiben wir mal bei Schulz von Thun: Er unterscheidet zwischen der Souveränität erster Ordnung und der Souveränität höherer Ordnung. Die Souveränität erster Ordnung ist das Bemühen, möglichst perfekt zu sein, brillant, glänzend, keine Schwäche zu zeigen und alles möglichst professionell zu erledigen. Also so zu wirken, wie im allgemeinen Sprachgebrauch Professionalität verstanden wird. Die Souveränität höherer Ordnung bedeutet, die Dinge möglichst gut machen zu wollen und Ziele zu haben, und zugleich zu wissen, dass ich fehlbar bin, mich möglicherweise schuldig mache, manche Dinge nicht so gut kann und mich manchmal auch über mich selbst ärgere. Es geht darum, diese ganzen menschlichen Anteile anzuerkennen und zu wissen, dass mir dadurch kein Zacken aus der Krone bricht. Das macht mein Menschsein aus und es macht mich nicht unprofessionell. Ganz im Gegenteil: Dadurch, dass ich das anerkenne und mich bemühe, gut zu sein mit all dem, was ich eben bin, was ich habe und vorhabe, dann bin ich auf eine andere Art und Weise souverän. Diese Variante der Souveränität spart übrigens viel Energie!

Ein Gedankensprung: Ich habe mich viele Jahre mit Employer Branding beschäftigt, also der Frage, was Arbeitgeber attraktiv macht und wie man das vermitteln kann. Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, kommt man schnell zu substanziellen Aspekten wie Organisationsentwicklung, Unternehmenskultur und Veränderung. Genau an diesem Punkt, wo es um den Menschen in seiner Ganzheit geht, die ich aus unternehmerischer Sicht idealerweise annehme und in den Dialog mit einbeziehe, wird Haltung nicht nur glaubwürdig, sie wird wahrscheinlich auch nachhaltig Wirkung entfalten.

Und sie wird dazu beitragen, dass Menschen gesund bleiben. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist das Thema Stress, dem ich auch ein Kapitel in meinem Buch gewidmet habe. Stress schadet Haltung und umgekehrt wirkt eine Haltung präventiv gegen Stress. Stichwort Souveränität höherer Ordnung.

Stress schadet Haltung und umgekehrt wirkt eine Haltung präventiv gegen Stress.

Katrin Halfmann im November 2022

Ich halte kurz inne. So viel Aspekte von Haltung, da sind wir weit von einer Eindeutigkeit entfernt, die wir so manches Mal mit dem Begriff assoziieren. Und Haltung kann noch mehr sein…

Mit einer Haltung kann ich ja auch provozieren, weil andere Menschen anderer Meinung sind.

Genau das passiert, wenn ich mit meiner Haltung auf Widerstände treffe. Wenn ich meine Meinung gegen Widerstände vertrete, wird es anstrengend und ich bekomme die Gelegenheit, Haltung zu zeigen. Nehmen wir mal Whistleblower als Extrembeispiel. Sie bekommen ordentlich Gegenwind und haben sicherlich Stress. Gleichwohl hat Haltung auch etwas mit Selbstachtung zu tun. Wenn ich zu dem stehen kann, was ich tue, gewinne ich an Selbstachtung, die mich stützt und schützt. Denn es fällt mir dann leichter, Entscheidungen zu treffen und Haltung wirklich als einen inneren Kompass zu verwenden, der mich durch schwierige Situationen navigiert.

Haltungsorientierte Menschen sind sicherlich geschützter als solche ohne bewusste Haltung. Das Bewusstsein der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns ist etwas, was Resilienz stärkt.

Katrin Halfmann im November 2022

Sind Menschen, die sehr haltungsorientiert agieren, resilienter als andere?

Das kommt drauf an, was haltungsorientiert agieren heißt.

Menschen, die mit Hilfe ihres Oberhauptes das Innere Team gut koordinieren. Nehmen wir das Beispiel Whistleblower, die verfolgt oder inhaftiert werden. Diese Menschen tun das ja aus einer Überzeugung und wahrscheinlich mit einer gewissen inneren Reinheit. Sie wissen, warum und wozu sie etwas tun.

Das macht sie vermutlich resilienter, das heißt aber nicht, dass sie nicht kaputtbar sind. Natürlich kann jeder Mensch irgendwann mürbe sein, je nachdem, was man ihm antut. Dennoch sind haltungsorientierte Menschen sicherlich geschützter als solche ohne bewusste Haltung. Das Bewusstsein der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns ist etwas, was Resilienz stärkt.

Es gibt ja schöne Begriffe, die man mit dem Wort Haltung bilden kann. Zum Beispiel aushalten. Ich glaube, dass solche Menschen mehr aushalten können. Aber kann Haltung nicht auch schädlich sein, wenn ich die Grenze nicht erkenne?

Ja, nehmen wir mal das Beispiel Magersucht. Wenn ich die Haltung habe, ich sei als Mensch nur etwas wert, wenn ich spindeldürr bin, dann ist es eine selbstschädigende Haltung. Nicht jede Haltung tut gut.

Wir tun uns allerdings schwer damit, Haltungen zu verändern. Der Neurobiologe Gerald Hüther hat ein Buch zum Thema Würde aus neurobiologischer Sicht geschrieben (siehe Artikelende), worin er deutlich macht, dass Haltung ein Energiesparprogramm des Gehirns ist, ein Automatisierungsprozess. Im Motorischen kennen wir das auch: Beim Fahrradfahren z.B. überlegen wir nicht, ob wir links oder rechts treten, sondern nur, mit welchem Tempo wir wohin fahren wollen. Und so ist es bei Haltungen im Grunde auch. Es sind kognitive Strukturen, die Einstellungen oder Bewertungen automatisiert haben. Sie verändern zu wollen, kostet Energie.

Was glauben Sie, wie viel unserer Haltung ist uns eigentlich bewusst, bzw. wie viel findet unterbewusst statt? Was läuft da alles hinter der Bühne ab, was ich auf der Bühne gar nicht mitbekomme? Und wie kann ich ein Bewusstsein für meine Haltung entwickeln?

Ich kann ja nur sagen, wie ich dieses Bewusstsein bei den angehenden Erzieher_innen oder Heilpädagog_innen zu fördern versuche. Zum einen mit der Reflexion von Praxis-Erlebnissen. Es läuft ähnlich der kollegialen Beratung oder Supervision ab. Wenn ich mir genau anschauen möchte, wie ich mich in dieser und jener Situation verhalten und welche Haltung ich an den Tag gelegt habe, helfen mir zum Beispiel kommunikationspsychologischen Modelle wie das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun. Ich betrachte dabei allerdings nicht 4, sondern 5 Seiten. Wenn ich beispielsweise betrachten will, welche Haltung ich gerade Ihnen gegenüber habe, dann kann ich das an fünf Fingern durchdeklinieren:

Der Daumen steht für das Selbst: Wie ist mir zumute, wenn ich Ihnen jetzt gegenübersitze?

Der Zeigefinger meint das Du: Was glaube ich, was Herr Willand so für einer ist, was habe ich also für ein Bild von Ihnen?

Der Mittelfinger steht für die Werte, die Überzeugungen, die mich leiten: Wir beide teilen das Thema Haltung. Was ist mir wichtig, wenn ich jetzt mit Ihnen spreche, wovon möchte ich, dass es gesagt wird, was soll erfüllt sein, was nicht?

Der Ringfinger steht für Beziehung: In welcher Art von Beziehung stehen wir zueinander? Wir kennen uns ja eigentlich gar nicht oder kaum.

Und der kleine Finger für die Erwartungshaltung: Was erwarte ich jetzt von dem Gespräch oder von Ihnen?

Im Grunde agieren wir immer auf diesen 5 Ebenen, ohne dass es uns bewusst ist. Meine Haltung kann von Mensch zu Mensch und Situation zu Situation sehr unterschiedlich sein. Nehmen wir mal ein Beispiel: Es klingelt an der Tür und ich öffne. Je nachdem, wer davorsteht, habe ich blitzschnell eine bestimmte Haltung dieser Person gegenüber. Da stehen zum Beispiel zwei Zeugen Jehovas, die über Gott sprechen wollen. Oder es steht dort das Nachbarskind, das sich ausgeschlossen hat und nicht weiß, wohin. In Bruchteilen von Sekunden ändert sich meine Verfassung und wahrscheinlich sogar meine Körperhaltung, meine Stimme und meine Art und Weise, wie ich spreche, je nachdem wer da vor mir steht und mit welchem Anliegen die Person da ist. Auch die Situation ist entscheidend für meine Haltung. Wenn mich jemand mitten in der Nacht aus dem Bett klingelt, habe ich eine andere Haltung, als wenn angekündigter Besuch kommt. Auch ist bedeutsam, in welcher Rolle ich aktiv bin. Ob es um einen Schüler in der Schule oder um einen Kassierer im Supermarkt geht, macht einen Unterschied bzgl. meiner Haltung dieser Person gegenüber.

Demnach gibt es sehr viele unterschiedliche Haltungen. Ich habe oft den Eindruck, dass Menschen etwas anderes damit verbinden. Etwas großes Ganzes, das alles trägt. Etwas, das unsere Suche nach richtig und falsch beantwortet.

Ja, und oftmals wird es auch mit Ausstrahlung oder Charisma verknüpft. Menschen mit einer überzeugenden kraftvollen Ausstrahlung wird oft nachgesagt, sie hätten Haltung.

Ohne zu wissen, ob sie es wirklich tun.

Genau, auch sie sind vermutlich nicht immer ein Herz und eine Seele mit sich selbst, sind manchmal ambivalent, und das ist ja auch wichtig. Es wäre ja schlimm, wenn wir immer genau wüssten, wo es langgeht. Denn dann würden wir ja gar nicht mehr neu nachdenken und verschiedene Aspekte mit einbeziehen, würden uns nicht von dem überraschen lassen, was da kommt. Würde ich mit so einem extrem klaren Wegweiser durch die Welt laufen, bekäme ich ja gar nicht mehr mit, was rechts und links eines Weges passiert und ob ich vielleicht doch mal abbiegen und Gelegenheiten annehmen sollte.

Aber viele Wegweiser können auch verwirrend sein.

Das stimmt. Es gibt ja meist nicht mal Wegweiser, oft müssen wir uns durchs Dickicht schlagen.

Das heißt es braucht Reflexion, um meine Haltung zu entdecken, mir ihrer bewusst zu werden.

Selbstreflexion ist das A und O. Dann hilft auf jeden Fall Feedback, um zu merken, ob wir möglicherweise eine ganz andere Haltung leben, als die, die wir glauben zu leben. Gerade wenn wir Haltungen bewusst ändern wollen, haben wir das Gefühl, z.B. progressiv zu sein. In der Pädagogik ist es zum Beispiel das Thema Inklusion, in der Wirtschaft die Genderfrage. In diesen oder ähnlichen Kontexten sind wir zum Beispiel davon überzeugt, wir hätten keine Vorurteile dieser und jener Personengruppe gegenüber. Weil wir es ja kognitiv verstanden haben. Aber es bleiben möglicherweise doch noch alte Denkmuster haften, die wir nicht loswerden, die sich immer dann einschleichen, wenn es irgendwie kompliziert wird oder wenn wir unreflektiert oder genervt sind. Und dann verhalten wir uns möglicherweise ganz anders, als wir denken, wie wir eigentlich sind.

Dann hat Haltung viel mit den Mustern zu tun, die wir in uns tragen?

Genau, und das sind zum Teil alte Muster, die wir möglicherweise überspielen wollen. Wenn wir neue Erkenntnisse, nachhaltige Aha-Erlebnisse haben, ist es wichtig, dass wir unsere Haltung auch tatsächlich verändern. Stellen Sie sich vor, Sie hätten noch ihre Haltung, die sie mit 14 Jahren hatten. Seither hat sich bei Ihnen wahrscheinlich einiges geändert und das ist ja auch richtig und gut so. Das bedeutet, Entwicklung ist gar nicht so einfach. Da kommen wir wieder zum Energiesparprogramm von Hüther. Wir nehmen die Welt so wahr, dass sie möglichst gut zu unserer Haltung passt. Entsprechend filtern wir die Informationen, die wir an uns heranlassen und wollen unsere Haltung nicht so gerne ändern. Weil es Energie kostet. Aber: Wir können Sie ändern und wir können das bewusst tun.

Wir nehmen die Welt so wahr, dass sie möglichst gut zu unserer Haltung passt. Entsprechend filtern wir die Informationen, die wir an uns heranlassen und wollen unsere Haltung nicht so gerne ändern. Weil es Energie kostet. Aber: Wir können Sie ändern und wir können das bewusst tun.

Katrin Halfmann im November 2022

Als soziale Wesen haben wir ja gewisse Erwartungshaltungen bzw. Wünsche, wie wir wahrgenommen werden möchten. Wie wankelmütig ist Haltung eigentlich, wenn ich mich von diesen Erwartungshaltungen leiten lasse?

Haltung beinhaltet innere Überzeugungen und Werte, und die haben etwas Stabiles. Das heißt ich muss immer wieder abgleichen, passen die Erwartungen zu mir und meinen Werten? Passen sie zu meinem Selbst und zu meinem Empfinden?  Haltung ist dann nicht stimmig, wenn ich Erwartungen erfüllen möchte oder habe, die gar nicht zu meiner Überzeugung passen und zu dem, was ich fühle. Das wird auch meine Umwelt wahrnehmen, denn Haltung hat auch etwas Körperliches, die Körperhaltung. Ich kann mich verbiegen, oder ich kann aufrecht sein, wenn ich Rückgrat habe. Im Grunde geht es bei einer professionellen, bei einer starken und überzeugenden Haltung darum, dass sie stimmig ist. Das heißt, das Innere Team kann dazu stehen, die verschiedenen Aspekte passen zueinander. Dann kann ich Haltung überzeugt und überzeugend vertreten.

Was braucht es noch, damit Haltung überzeugend ist?

Wichtig ist auch, situationsangemessen zu bleiben. Wenn ich immer stur einer Haltung folge und gar nicht sehe, was um mich herum los ist und wie sich um mich herum die Welt verändert, dann wirke ich vielleicht sehr konsequent in meiner Haltung, bin aber im Grunde einfach stur und unsensibel für das, was um mich herum passiert. Das heißt, ich brauche im Grunde beides, einerseits die Stabilität von Haltung und andererseits die Situationssensibilität. Das bringt uns zum Werte- und Entwicklungsquadrat (Anmerkung: Ein weiteres Modell von Schulz von Thun, das uns vor Augen führt, wie wir innere Werte und Überzeugungen im Gleichgewicht behalten, damit sie nicht in Extreme abgleiten.) Bei einem Zuviel der Situationssensibilität ohne die ausgleichende Stabilität der Haltung werde ich zum Fähnchen im Winde und versuche, es allen recht zu machen. Wenn ich aber viel Stabilität habe und zu wenig Sensibilität für die Situation, dann bin ich ein sturer Prinzipienreiter. Beides zugleich ist wichtig.

In diesem Zusammenhang schießt mir das Thema Politik durch den Kopf. Wäre ein Politiker so sensibel, seine Haltung situationsbedingt anzupassen, um in der aktuell komplexen, global vernetzten Lage diplomatisch agieren zu können, wäre das schlau. Ließe aber die klare Haltung vermissen, die sich die Menschen wünschen. Extreme Handlungen, die hingegen aus einer ganz strikten Haltung folgen können, sind auch nicht in Ordnung. Und wenn man bereit ist, sich zu verändern, wie beispielsweise die Grünen, die ihre ideologische Haltung aufweichen, weil sie plötzlich Regierungsverantwortung haben, ist es auch wieder nicht richtig.

Ich glaube die Sehnsucht von uns Menschen nach Sicherheit und Orientierung ist ganz groß. Das ist allerdings genau das, was viele in die Arme autoritärer Persönlichkeiten treibt. Weil sie das Gefühl haben, er oder sie wird es schon richten. Dann können wir abschalten und müssen nicht mehr mitdenken. Wenn aber Politiker anfangen Dilemmata einzugestehen, wird es schwierig. Dilemmabewusstsein ist auch bei Politikern sehr wichtig, aber eben nicht unbedingt mehrheitsfähig. Denn das Bedürfnis nach einem Dilemma haben die Menschen eher nicht. Sondern das nach Klarheit, Sicherheit, Orientierung und nach jemandem, der es für sie regelt. Hauptsache, wir erleben keine Nachteile und es geht vorwärts. Aber das Leben ist eben oft sehr ambivalent und voller Widersprüche. Ich möchte heute nicht in der Haut der Politiker stecken, die sich von einem Dilemma zum nächsten hangeln müssen. Das ist ja nichts, was sie sich ausgesucht haben, die Welt ist momentan in einem extrem schwierigen Zustand. Nun ist die Art und Weise, damit umzugehen, unterschiedlich. Die einen, wie etwa Robert Habeck, muten den Menschen zu, Dilemmata erklärt zu bekommen. Das schafft nicht unbedingt ein Gefühl von Sicherheit, sondern eher das Gefühl, dass es gerade schwierig wird. Andere versuchen es anders, indem sie sagen, es müsse jetzt genau so oder so laufen, indem sie einen klaren Weg markieren, dabei aber andere Perspektiven vernachlässigen.

Letztlich sind klare Entscheidungen notwendig, die einem gut geeichten Kompass folgen, der anzeigt, worum es langfristig geht, worauf es letztlich ankommt. Dabei sollte zugleich die Situation aller Beteiligten Berücksichtigung finden. Was für eine Aufgabe!

Gibt es Bestandteile im Kontext Haltung, die tatsächlich konsistent sind, die ein Mensch nicht verändert?

Ich denke schon. Es gibt Grundprinzipien. Menschen, die christlich sind, beziehen sich beispielsweise auf die Zehn Gebote. Viele Menschen streben das Prinzip der Gewaltlosigkeit an. oder haben ein grundsätzliches Bedürfnis, Würde zu achten und zu schützen. Ich hoffe und gehe davon aus, dass – von  der Mehrheit geteilt – bestimmte Basishaltungen existieren, die stabil und entsprechend nicht veränderbar sind. Davon lebt unsere Gesellschaft, im Grunde sind es humanitäre Werte, die sich auch in vielen Gesetzen wiederfinden.

Das ist interessant, denn selbst eine starke Überzeugung kann ja ins Wanken geraten, wenn beispielsweise einem geliebten Menschen Gefahr droht.

Absolut, dann entstehen möglicherweise ethische Dilemmata.

Inwiefern kann Haltung dann wirklich Orientierung geben? Denn das ist es   ja, wonach wir uns sehnen. Kann Haltung das tatsächlich leisten?

In Kombination mit der Situationssensibilität ja. Ich brauche unbedingt die klare Überzeugung, aber ich brauche auch das Bewusstsein dafür, worum es eigentlich gerade geht. Wie schätze ich die aktuelle Situation ein und welche Folgen hat mein Handeln genau jetzt? Zum Beispiel lüge ich absichtsvoll, wenn ich jemanden verstecken will, der ansonsten umgebracht würde. Dann ist meine eigentliche Haltung die, dass ich andere nicht anlügen will. Aber in diesem Fall empfinde ich eine andere Haltung als wichtiger, nämlich die, Menschen das Leben zu retten. Wir haben alle mehrere Haltungen in uns. Und ich muss es von der Situation abhängig machen, in welchem Moment es sinnvoll ist, Prinzipien zu leben, zu verbinden oder zu brechen.

Wir haben alle mehrere Haltungen in uns. Und ich muss es von der Situation abhängig machen, in welchem Moment es sinnvoll ist, Prinzipien zu leben, zu verbinden oder zu brechen.

Katrin Halfmann im November 2022

Kann man sagen, dass ich gerade in dieser Zerreißprobe zwischen einer Haltung und ihrer gegenläufigen Haltung aufrecht stehe, indem ich beide ausbalanciere?

Richtig. Und das ist spannend, denn im Grunde brauchen wir einen ganzen Strang, bestehend aus mehreren Haltungen, die sich gegenseitig so ergänzen, dass wir im Lot bleiben und uns am Ende nicht eine Haltung in ihrer Extremität ins Unheil stürzt. Die Gesamtheit der verschiedenen Werte und Überzeugungen und auch der Bedarfe, die ich gerade sehe, ist wichtig, um zu erkennen, wie viel Orientierung uns unsere Haltung gibt.

Noch mal zurück zu der Frage, wie man Haltung weiterentwickeln und professionalisieren kann: Neben der Selbstreflexion helfen uns Offenheit bzw. Vorbilder dabei, Haltung weiterzuentwickeln. Wir Menschen lernen viel von Vorbildern.

Was ebenso hilft, ist Wissen. Wenn ich bestimmte Dinge weiß, dann kann ich sie einordnen und meine Haltung dementsprechend bewusst einnehmen, meine Überzeugung fachlich fundieren. Manchmal hängen wir ja falschen Überzeugungen an, weil wir es nicht besser wissen.

Dann sind Erfahrungen des Scheiterns sehr hilfreich, wenn ich merke, es geht nicht weiter, wenn mehr vom Selben nichts bringt. Dann muss ich umdenken und meine Haltung im günstigsten Falle ändern. So kann Scheitern auch zu etwas Gutem führen.

Das bringt mich zu dem Wort Fehler, wenn man die Buchstaben vertauscht, entsteht das Wort Helfer.

Ein schönes Wortspiel! Fehlerfreundlichkeit ist auch ein wichtiges Thema. Und tatsächlich auch eine Haltung. In den Aus- und Weiterbildungen versuche ich möglichst früh Fehlerfreundlichkeit zu etablieren. Natürlich muss ich sie auch selbst leben. Ich kann ja nur zur Haltungsentwicklung beitragen, wenn ich selbst tue, was ich für sinnvoll halte. Fehlerfreundlichkeit bedeutet, Fehler als Lerngelegenheiten willkommen zu heißen, sie bewusst und freundlich anzuschauen. Sie also in den Blick zu nehmen, ohne sich dabei selbst zu zermartern. Es geht also zunächst darum, sich selbst zu regulieren, zu beruhigen. Denn erst einmal tut Fehler machen weh. Auf diese Weise habe ich gute Chancen, aus Fehlern wirklich zu lernen.  

Wenn wir noch mal auf Schulz von Thun blicken und auf seine Idee vom Inneren Team, dann frage ich mich, wie ich eigentlich das Oberhaupt dieses Teams identifiziere, das für die Souveränität und für die Selbstberuhigung sorgt. Wenn in mir verschiedene Teamplayer mit unterschiedlichen Haltungen agieren, wer oder wo genau ist eigentlich das Oberhaupt? Ist es einer der Teamplayer, ist es mein Bewusstsein, mein kognitives Denken?

Das ist spannend, denn sobald Sie beginnen, Ihre Teammitglieder zu erforschen, ihr Inneres also zu begreifen, tut das Ihr Oberhaupt. Als die Instanz, die die anderen inneren Anteile in den Blick nimmt und die sich selbst untersucht. Dieses Oberhaupt können wir kaum fühlen, denn all die Emotionen und Gedanken, die in uns kreisen, sind unseren inneren Teammitgliedern zuzuordnen. Das Oberhaupt ist im Grunde das, wovon wir sprechen, wenn wir Ich sagen. Ihr Oberhaupt stärken Sie also, wenn sie sich selbst betrachten. Sie kennen vermutlich den Begriff Achtsamkeit. Achtsamkeitsübungen sind sozusagen Oberhauptschulungen. Dabei versuche ich, mich mit einer wohlwollenden und interessierten Haltung selbst zu betrachten, wie ein Forscher zu erkunden, was ich gerade fühle, denke, wie sich mein Körper anfühlt, wie meine Atmung ist. Betrachten, ohne zu bewerten. Das ist die Energie des starken Oberhauptes, die wie eine Führungskraft beobachtet, wie der Laden eigentlich gerade läuft. Das Oberhaupt ist auch die Instanz, die dann wohl abgewogene Entscheidungen trifft. Die sich selbst beruhigt und die sich selbst motiviert.

Wenn man sich als einigermaßen reflektierten Menschen wahrnimmt und tatsächlich in sich geht, warum ist es so schwierig, dieses Oberhaupt zu aktivieren? Beispielsweise in Konfliktsituationen mit Personen, die einem sehr nahestehen, in Situationen, die einen verletzen oder alte Muster wachrufen.

Ist das wirklich so ein Unglück? Da sind innere Teammitglieder am Werk, die verletzt sind! Das macht uns lebendig. Stellen Sie sich vor, Sie würden gerade in einer Beziehung immer nur mit dem abgewogenen Oberhaupt agieren. Das wäre wenig spontan und ich glaube, Ihre Frau würde sich veräppelt fühlen, weil sie denkt, ‚Ich habe es doch hier nicht mit einem Coach zu tun, sondern mit meinem Mann, und der ist manchmal spürbar wütend oder betroffen.‘ Wichtig ist, es nicht zu übertreiben, innehalten zu können und sich z.B. einzugestehen ‚Okay, da war ich jetzt sauer, und ich schaffe es auch Mal, mich zu entschuldigen.‘ Zugleich gebe ich Ihnen recht. Selbstregulation brauchen wir auch im Privaten. Vielleicht zeigt sich im Privatleben manchmal allzu ungezügelt die impulsive Hintermannschaft, die sich im professionellen Kontext so nicht zeigen darf? Auch hier brauchen wir das Oberhaupt, das dafür sorgt, dass wir möglichst gut „alle beieinander haben“. Das erfordert viel Selbstreflexion, miteinander Reden, Übung – und Fehlerfreundlichkeit.

Kommunikation findet auf so vielen Ebenen statt. Wenn ich das Kommunikationsquadrat betrachte, dann hat das sehr viel mit dem zu tun, was in meinem Kopf passiert und wie ich es verbal äußere. Hinzu kommt ja auch die Körpersprache. Was würden Sie sagen, auf welcher Ebene transportieren wir die meiste Haltung? Auf der verbalen? Auf der körperlichen?

Das findet überall statt. Ich würde nicht sagen wollen, so und so viel Prozent finden verbal statt und so und so viel Prozent körperlich. Solche Betrachtungen machen keinen Sinn, weil das eine das andere bedingt. Ich zeige beispielsweise auch Haltung, indem ich schweige. Ich zeige Haltung, wenn ich weggehe. Ich zeige Haltung, wenn ich gar nicht erst komme. Das heißt, auch Abwesenheit kann ein Ausdruck meiner Haltung sein. Wenn ich präsent bin, zeige ich das körperlich. Und auch das kann ambivalent sein. Mein Körper kann zum Beispiel signalisieren, dass eine Situation ungewohnt ist, oder ungeübt. Und gleichzeitig sagt er, ‚Oh, ich habe aber Ideen und will mich zeigen!‘ Wir können selbst im Ausdruck unseres Körpers unstimmig sein, was unsere Haltung angeht.

Kann man sagen, dass die verbale Kommunikation trügerisch ist und die nonverbale, körperliche, eindeutig?

Höchstens in der Tendenz. In Rhetoriktrainingslernen wir zum Beispiel, auch unserer Körperhaltung den Erwartungen anzupassen, nicht nur unsere Sprache. Sie entspricht dann allerdings nicht mehr der ganzen inneren Wahrheit. Das ist ja im Übrigen auch der Beruf von Schauspielern. Schauspieler lernen, Haltungen möglichst perfekt zu verkörpern. Es gibt Schauspieler, die machen das großartig. Natürlich ist es nicht die Haltung der Schauspieler selbst, aber es ist ihre Kunst, diese Haltung zu verkörpern. Also: Beides kann eindeutig oder auch trügerisch sein. Unsere aufrichtige Haltung zeigt sich zum Beispiel dann, wenn wir uns unbeobachtet fühlen.

Wer konditioniert eigentlich wen? Haltung beeinflusst Verhalten, aber mit Verhalten kann ich auch Haltung beeinflussen, oder?

Gewohnheiten können das zum Beispiel. Was wir in diesem Zusammenhang noch gar nicht angesprochen haben, ist das Thema kollektive Haltung. Das ist vermutlich auch in Ihrem Kontext wichtig, da es auch Unternehmen betrifft. Denn Kultur ist im Prinzip eine kollektive Haltung. In einer Organisation ist eine gelebte Kultur das Abbild der Haltung der Menschen, die dort arbeiten. Wenn Menschen neu in diese Organisation kommen und ihr Verhalten entsprechend anpassen, sich an die Regeln und Verhaltensnormen des Unternehmens gewöhnen, dazu lauter Vorbilder um sich haben, die diese Haltung vorleben, dann leben sie möglicherweise auch diese Haltung, ohne sie schon verinnerlicht zu haben. Die Kultur wirkt sich also auf unser Verhalten aus und prägt unsere Haltung, solange wir keine inneren Widerstände spüren. Wenn wir spüren, ‚Das passt nicht zu mir, meine Überzeugungen sind eigentlich andere und ich lebe hier eine Haltung, die eigentlich nicht meine ist‘, dann sendet uns unser Bauchgefühl ein deutliches Signal. Und das äußert sich oft körperlich.

Kultur ist im Prinzip eine kollektive Haltung. In einer Organisation ist eine gelebte Kultur das Abbild der Haltung der Menschen, die dort arbeiten.

Katrin Halfmann im November 2022

Wer sorgt denn bei meinem Inneren Team dafür, dass ich nicht assimiliert werde, mich selbst nicht verlasse? Das Oberhaupt?

Es sind vor allem innere Teammitglieder, die sich gegen diese Beeinflussung wehren, die z.B. Werte in Gefahr sehen. Sie haben aber meist innere Gegenspieler, die sich anpassen wollen. Jeder von uns hat z.B. auch so etwas wie einen inneren Schweinehund, bedürfnisorientierte innere Teammitglieder, die dem Belohnungs- und Bestrafungssystem folgen oder die sich schützen wollen. Aber wir haben hoffentlich auch ein Gewissen etabliert, Freud hat es das Über-Ich genannt. Also Anteile, die uns einen ethischen Kompass geben. Die mir sagen, ‚Das will ich nicht und das darf ich nicht.‘ Sie sorgen z.B. für diesen Knoten im Bauch. In diesen Fällen ist dann das Oberhaupt wichtig, das ihn bemerken und auflösen muss.

Welch ein Schlusswort. Leider. Denn mein Oberhaupt mahnt mich gerade: ‚Schau mal auf die Uhr.‘ Und obwohl ich das Gespräch gut und gerne noch eine Weile weitergeführt hätte, muss ich aufbrechen. Die Zeit ist geflogen, das Thema so vielschichtig, dass man vermutlich nicht so schnell zu einem Ende käme. Also werde ich mir das Buch Haltung von Katrin Halfmann bestellen und meine inneren Teammitglieder auf dem Rückweg von Lübeck nach Osnabrück ganz in Ruhe in den Dialog miteinander schicken.


Leseempfehlung:

Haltung / Ein Praxishandbuch für mehr Professionalität im pädagogischen Alltag; Katrin Halfmann; Rowohlt Verlag

Miteinander reden / Band 3: Das „Innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation / Friedemann Schulz von Thun; Rowohlt Verlag (Alternativ der Sammelband mit allen vier Teilen „Miteinander reden“)

Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft / Gerald Hüther; Pantheon Verlag

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