Mind the Gap – Lückenschluss zwischen den Hierarchien

Ein Mann macht einen Schritt über die Bahnsteigkante. Dazu ein illustriertes Männchen mit erhobenem Zeigefinger: Mind the gap!

Mehrere Dinge kamen zusammen, als der Gedanke zu diesem Artikel entstand. Zum einen ist da das inspirierende kleine Büchlein aus der Essentials Reihe des Springer Gabler Verlags „Robuste Unternehmen„. Hier beschreiben Frank Weber (weber-advisory.com) und Joachim Berendt fünf zentrale Faktoren, die ein Unternehmen stabilisieren und wettbewerbsfähig machen. Ein Punkt, den man sicherlich als Dreh- und Angelpunkt bezeichnen kann, ist dabei die Unternehmenskultur und die damit verbundene Frage, wie veränderungsbereit Unternehmen sind. Diese Frage ist natürlich herunter zu brechen auf den Wunsch zur Veränderung seitens des Managements, die Veränderungsbereitschaft einzelner Mitarbeiter sowie die Fähigkeit des Managements, Mitarbeiter auf diesem Weg zu begleiten. Denn Veränderung, das wissen wir alle, findet nicht in der Komfortzone statt.

Auf der anderen Seite ist da unser Kunde Baloise, von dessen Kultur ich jetzt schon so viel mitbekommen habe, dass ich gewillt bin zu behaupten, er gehöre zu den Robusten seiner Art. Unter anderem das Verhalten des Vorstandsvorsitzenden der Baloise Group, Gert De Winter, beeindruckte mich bereits mehrfach. Denn jede Führungskraft hat unabhängig von der Hierarchieebene die Wahl, ob sie über die Nähe zu den Mitarbeitern philosophiert, oder sie tatsächlich herstellt. Er entscheidet sich für letzteres.

These: Mitarbeiterorientierung führt zu Veränderungsfähigkeit führt zu Wettbewerbsfähigkeit führt zu einer starken Employer Brand.

Wer den Menschen auf der viel zitierten Augenhöhe begegnet und sie mit auf eine gemeinsame Reise nimmt, hat gute Chancen, dass sie auch in stürmischen Zeiten der Veränderung im Boot bleiben. Gert De Winter beispielsweise nimmt regelmäßig kleine Videos mit persönlichen Statements für seine Mitarbeitenden auf, die intern kommuniziert werden. Er nimmt an einem Programm teil, in dem Mitarbeiter Kolleginnen und Kollegen bei ihren Jobs begleiten und über die Schulter schauen können. Was das bei den Mitarbeitern bewirkt, haben wir in unseren bisherigen Story Camps hautnah erleben dürfen. Nähe ist nicht nur theoretisch vorhanden, sondern sie wird bewusst ge- und erlebt. Dabei braucht es keine große wissenschaftliche Untersuchung, um festzustellen, dass je enger die Bande zwischen Führungskräften und Mitarbeitern geknüpft sind, desto robuster ist das Gesamtunternehmen. Und desto größer die Strahlkraft nach außen, also das, nach dem Unternehmen mithilfe ihres Employer Brandings trachten. Nur, dass es dazu kein Employer Branding Prozess im herkömmlichen Sinne braucht.

Vorschlag: Mehr Bande als Brand.

Und mit Bande meine ich nicht nur das Band, dass zwischen den Menschen unterschiedlichster Hierarchieebenen im Unternehmen geknüpft wird. Sondern das Bild einer „Bande“, wie ich sie aus meiner Jugend kenne. Wer sich zu einer „Bande“ zusammengeschlossen hat, hat einander vertraut, sich im Extremfall sogar Treue geschworen. Sicher, dass ist nostalgisch und etwas pathetisch. Doch das Unternehmen als eine „Bande von Jungs und Mädels“ zu verstehen, die keine Geheimnisse voreinander haben und gemeinsam Abenteuer bestehen wollen, sorgt für deutlich mehr Sympathie und Zusammenhalt, als es eine Employer Brand auf dem Papier je täte. Und sollte sie noch so gut konzeptionell mit allen strategischen Faktoren und einer vorhandenen Unternehmensmarke verknüpft worden sein. Das Herz tickt eben anders, als der Kopf.

Damit komme ich wieder auf einen Punkt, den ich schon unter dem Motto „Employer Branding ist tot“ angesprochen habe, nämlich die Tatsache, dass eine Brand aus sich selbst heraus erwächst, solange Haltung im Unternehmen erlebbar ist. Diese Haltung sorgt dafür, dass alle an einem Strang ziehen, sich alle zu einer eingeschworenen Gemeinschaft verbinden. Und wie die Bande in unserer Jugend strahlt eine Gruppe Gleichgesinnter auch heute noch eine hohe Anziehungskraft auf Außenstehende aus. Die Jungs und Mädels in der Bande sind cool. Sie machen coole Sachen. Man will dazu gehören. Ist es nicht das, was Employer Branding zum Recruiting beitragen kann?

Eine Form der Bande, wie ich sie schon seit ungefähr 30 Jahren beobachte, sind Musikbands. Insbesondere die, die selbst nach 30 bis 40 Jahren Schaffenszeit ihrem Musikstil allen Unkenrufen und Modeerscheinungen zum Trotz treu geblieben sind. Und entsprechend unglaublich treue Fans in ihren Reihen finden. Ich rede vom Heavy Metal. Oder wie mein großartiger Wegbegleiter und Wegbereiter Carsten Franke mal gesagt hat: Theater-Rock. Eine dieser Theater-Rock-Bands kommt aus Hamburg, nennt sich Iron Savior, und singt in einem ihrer Lieder:

We ain’t no Heroes,
we’re just true and simple men.
Men of honor and pride.

Es braucht die Präsenz der Führungskräfte, die jenseits herablassenden Marketing-ChiChis für dieselbe Sache kämpfen, wie alle anderen Mitarbeitenden. Die zu ihrem Wort stehen und denen man mit Stolz auf dem gemeinsamen Weg zur Seite steht. Das ist nicht nur herrlich pathetisch, es beschreibt den vielleicht wichtigsten Aspekt attraktiver und robuster Unternehmen: Haltung.

Aufruf: Bringt die Band wieder zusammen.

Schweißt eure Mitarbeiter zusammen. Und Bewerber gleich dazu. Knüpft die Bande enger und lasst alle an strategischen Gedanken teilhaben. Sorgt für Transparenz und vermittelt eine klare Haltung. Denkt in Metaphern und Geschichten und schafft kognitiv zurecht gestückelte Konzepte ab. Und vergesst dabei nie: Alle Unternehmen haben mal klein angefangen. Auch die Baloise. Vor sage und schreibe 150 Jahren. Denkt groß und agiert im Kleinen. Oder anders gesagt: Bringt die Band wieder zusammen. Dann klappt’s auch mit der Brand.

Oder wie sehen Sie das?

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