App dafür – Weil Employer Branding Führungsarbeit ist

Jan im Büro, durch die Scheibe, auf der Scheibe eine Illustration von einem Chef, der dem Mitarbeiter auf die Schulter klopft

Aktuell sitze ich wieder mit zwölf tollen Kolleginnen und Kollegen in einem Professionalisierungsprogramm der DGFP. Und wieder einmal sprechen wir über Personalmarketingprojekte, über den Wunsch nach zu ermittelnder  Arbeitgeberattraktivität und deren Wahrnehmung. Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben auch schon Erfahrungen in entsprechend Projekten gesammelt. So kamen wir im Zuge unserer Gespräche auch auf den Relaunch einer Karriere-Website zu sprechen – als ein Ergebnis eines eigens dafür initiierten Employer Branding-Projekte. Und damit kommen wir zu einem Kernproblem vieler Employer Branding Bemühungen:

These: Inside-out wird behauptet, aber nicht gelebt.

Nahezu 95% aller Projekte laufen auf extern sichtbare Ergebnisse hinaus. Irgendwann steht immer die Frage im Raum: Und wie sehen unsere Website und unsere Stellenanzeigen dann aus? Die Fortsetzung der Candidate Journey im Innenverhältnis wird hingegen selten in den Maßnahmenplan mit aufgenommen. Die Mitarbeiter dürfen sich freuen, wenn sie über die Employer Branding-Maßnahmen informiert werden. Gut zu wissen. Aber gefühlt passiert da gar nichts. Weil sie weiter in ihrem Trott verkümmern.

Um es kurz zu machen: Die Überprüfung des Führungsverhaltens ist eine zwingende erste Maßnahme im Rahmen des Employer Brandings.

Nicht selten existieren bereits Führungsleitbilder. Und nicht selten stellt sich die Arbeitsrealität in Bezug auf das Verhalten der Führungskräfte anders dar, als es die hübschen Plakate und Handbücher suggerieren. Fügt man die aus meiner Sicht dringend erforderliche Soll-Perspektive hinzu, also die Frage, wo das Unternehmen in 3-5 Jahren stehen möchte, welche Mitarbeiter dafür benötigt werden und welchen Weg sie folglich mit gestalten sollen, dann öffnet sich die Schere weiter.
Es sollte somit darauf geachtet werden, ob diese Leitbilder mit den ermittelten Attraktivitätswerten, der angestrebten Innen- und Außenwahrnehmung und insbesondere mit der im Management besprochenen Zielpositionierung übereinstimmen. Des Weiteren gehört natürlich das Instrumentarium der Führungsarbeit dazu, unter anderem ein Kompetenzmodell, das mit Blick auf den Soll-Zustand überporft und ggf. angepasst werden sollte. Damit Talente nicht nur zielgerichtet rekrutiert sondern auch in die richtige Richtung entwickelt werden können. Außerdem braucht es Maßnahmen, die den Dialog zwischen den Führungsebenen und den Mitarbeitern sowie zwischen unterschiedlichen Standorten und unterschiedlichen Fachbereichen intensivieren. Klingt kompliziert? Muss es nicht sein.

Aus dem Werkzeugkasten pragmatischer Mitarbeiterführung, heute: Wertschätzung per App.

Wie hat es Ali Mahlodji kürzlich so schön gezwitschert:

Screenshot von einem Tweet von Ali Mahlodji

Ja, wir sehnen uns danach, gesehen und geschätzt zu werden. Für das, was wir sind und für das, was wir tun. Oder noch einfacher gesprochen, wir wollen geliebt werden. Das klingt wahnsinnig pathetisch, ermöglicht aber einen ganz einfachen Rückschluss für gute Führungsarbeit: nämlich die persönliche Wertschätzung. Incentivierungsprogramme oder Boni helfen bei der nächsten Urlaubsplanung oder der Auswahl passender Weihnachtsgeschenke für die Familie. Sie geben den Menschen aber nicht das Gefühl, dass ihre Arbeit wirklich gebraucht wird und ihre Anwesenheit somit von großem Wert ist. Also einen Mehrwert für die Organisation darstellt. Eine Führungskraft, die mir auf die Schulter klopft, erlebe ich deutlich intensiver als eine monetäre Zuwendung, die nach dem Verbrauch ohnehin in der Vergessenheit versinkt.

Entsprechend positiv ist mir kürzlich eine App des Osnabrücker Startups Actus. „Alle Führungstools in Ihrer Tasche“ heißt es auf  www.actusone.com. Die Kollegen in der schönen Hasestadt haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man Wertschätzung im besten Sinne instrumentalisieren kann. Und so haben sie eine App entwickelt, die das Thema Wertschätzung ins Zeitalter ausgesprochen verteilter, flexibler und mobiler Arbeit transportiert. Schulterklopfen, direktes Feedback und kompakte Miatrbeiter-/Teamumfragen sind somit jederzeit und von jedem Ort möglich.

Das fand ich spannend und habe mich mit Niklas Schwichtenberg, einem der Gründer von Actus, im Lieblingskaffee in Osnabrück getroffen und mir das Ganze mal zeigen lassen. Die App läuft auf IOS sowie auf Android – für letztere Plattform laufen aktuell noch ein paar Optimierungen. Das Ganze kann pro Nutzer lizensiert werden, im Schnitt kommen für ein mittelständisches  Unternehmen mit sagen wir einigen hundert Mitarbeitenden etwa 5,00 Euro pro Monat zusammen. Setzt man diese App also für ein 10köpfiges Team ein, so belaufen sich die Kosten pro Jahr auf 600,00 Euro. Das sollte einem die Unterstützung der Führungsarbeit wert sein.

actus lobenBeim Blick auf die Funktionalitäten hat es mir besonders das virtuelle Schulterklopfen angetan. Denn genau das ist eine Form bodenständiger Wertschätzung, die in unserer modernen, dynamischen und hippen New Work-Umgebung oft vernachlässigt werden. Ein kleines Lob zwischendurch bei räumlicher Trennung – das ist spontan und herzlich, einfach richtig nett. Damit das Ganze nicht inflationär verwendet wird, hat jede Führungskraft und jeder Mitarbeiter ein bestimmtes Kontingent an Schulterklopfern, die man verteilen kann. Somit muss sich jeder Anwender überlegen, wem er wann auf die Schulter klopft, um sein Kontingent nicht über Gebühr zu strapazieren.

 

Ein zweites tolles Tool ist die Mitarbeiterumfrage. Alle in einer Gruppe zusammengefassten Mitarbeiter können somit an einer spontan aufgesetzten Befragung teilnehmen. Einfach Titel eingeben und definieren, bis wann sie gültig sein soll.

actus-umfrage3
Anschließend werden Fragen und Antworten eingetippt, wobei man zwischen Multiple Choice, Freitext und Wertungsfragen wählen kann. So kann jederzeit ein sehr fokussiertes und konzentriertes Stimmungsbild abgefragt werden. Bezogen auf unser Employer Branding Projekt zum Beispiel die Erfüllungsrate der internen Wahrnehmung. Wir wollen dynamisch sein? Also stellen wir doch drei Fragen zu genau diesem Aspekt einige Monate nach Definition der Employer Brand. Gegenstand der Fragen können die Schnelligkeit von Prozessen sein, die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung oder die Flexibilität bezüglich der Arbeitsgestaltung. Je nachdem, was es zu überprüfen gilt oder welche Persönlichkeitsmerkmale man gestärkt wissen möchte. In regelmäßigen Abständen lassen sich diese Befragungen natürlich wiederholen und somit Entwicklungen im Innenverhältnis abbilden.

actus feedbackDie dritte zentrale Funktion ist direktes Feedback. Hier kann eine Führungskraft beispielsweise nach gemeinsamen Termin eine kurze Info gezielt an Mitarbeiter absetzen.  Was war klasse, was kann verbessert werden. Auch das eigene Verhalten lässt sich so erfassen: Würde ich in einer ähnlichen Situation dasselbe Verhalten an den Tag legen oder mein Verhalten ändern?

Für im Schnitt 600,00 Euro im Jahr bei einem Team von 10 Mitarbeitenden ist diese Maßnahme der Mitarbeiterbindung sicher keine hohe Investition. Und die ersten Erfahrungen mit der App bestätigen, dass insbesondere die Funktion des Feedbacks und des Schulterklopfens sehr positiv aufgenommen werden. Gerade bei verteilt arbeitenden Teams, Vertriebsmitarbeitern oder Beratungstätigkeiten beim Kunden sowie über mehrere Standorte hinweg kann die App somit eine hilfreiche Unterstützung sein.

Was ich daran sehr reizvoll finde, ist die Anwendung des Umfragetools für ein Stimmungsbarometer hinsichtlich gesteckter Employer Branding-Ziele im Innenverhältnis.

actus baroemter

Apropos Barometer: Der Startscreen zeigt ein kumuliertes Stimmungsbarometer für das gesamte Team, ein schöner kleiner Motivator im Arbeitsalltag.

Unterm Strich holt man sich mit dieser kleinen App ein Stück Digitalisierung in die Personalarbeit, die das Thema Feedback und Wertschätzung auf eine ganz pragmatische und durchaus effektive Ebene herunter bricht. Eine feine Idee.

Oder wie sehen Sie das?

 

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