Win-win statt Quick-win

Pärchen vor einer Hauswand als Beispiel einer funktionierenden zwischenmenschlichen Beziehung

Menschen für sich zu gewinnen ist das Eine. Sie an sich zu binden das Andere, deutlich nachhaltigere. Mitarbeiter, die über viele Jahre mit hoher Identifikation für ein Unternehmen arbeiten, haben auch Lust auf Leistung. Und Mitarbeiter, die kontinuierlich Leistung bringen, verringern den Bedarf an Neueinstellungen. Sicher, auf eine solche Beziehung muss man sich einlassen. Denn Lust auf Leistung zu schüren bedeutet, kontinuierlich für eine Win-win-Situation zu sorgen.

These: schnelle Optimierungen im Bewerberdialog führen zu Beziehungsunfähigkeit.

Geld und Ressourcen sind knapp. So hat die Quick-win-Kultur auch in der Ansprache neuer, zu begeisternder Mitarbeiter etwa in Form von Ausschreibungen Einzug gehalten: Wie lässt sich mit den gegebenen Möglichkeiten und möglichst wenig Aufwand ein möglichst guter Bewerber aktivieren? Die Antwort: mit dieser Herangehensweise gar nicht.

Wer „schnell, schnell“ das Beste aus einer Ausschreibung herausholen will, denkt kurzfristig. So finden sich dann beispielsweise auch Antworten auf alle gängigen Studienergebnisse in den Ausschreibungen wieder. Herausforderungen – kein Problem. Innovationskraft – sicher. Atmosphäre – in Hülle und Fülle. Wertorientierte Führung – was sonst. Nicht, dass die Studien Unrecht verkünden, nein, Bewerber aber entlarven Platitüden und fordern Tacheles. Ein durchdachtes Angebot und eine klare Anforderung an die Bewerber – das wäre ein Novum.

Vorschlag: seien Sie ehrlich bemüht. Bekennen sie sich zu einer Win-win Situation und lassen alles andere weg.

Stellenanzeige von Ernest Shackleton für seine Arktisexpedition nach dem Prinzip "Quid pro Quo"
Stellenanzeige von Ernest Shackleton für seine Arktisexpedition nach dem Prinzip „Quid pro Quo“

So gnadenlos ehrlich hat es Ernest Shackleton 1913 getan, als er Wegbegleiter für seine Arktisexpedition suchte: er forderte den Einsatz des Lebens und versprach die Aussicht auf Ruhm. Das war der Deal. Nicht mehr und nicht weniger. Rigoros, zugegeben, und möglicherweise nicht mehr ganz zeitgemäß. Dennoch: entwickeln Sie einen wirklich guten Deal für wirklich gute Bewerber und besprechen Sie diesen in der Ausschreibung. Bekennen Sie sich ganz klar dazu, dass sie etwas Großartiges anzubieten haben. Und deshalb auch Großartiges einfordern. Das ist transparent, authentisch und vor allen Dingen konkret. Genau darüber reden wir doch immer in Seminaren und auf Vorträgen.

Also: Investieren Sie in Beziehungsaufbau und -pflege. Dann können Sie kurzfristige und ineffiziente Quick-Wins über Bord werden.

Oder wie sehen Sie das?

Ein Gedanke zu “Win-win statt Quick-win

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